Die östliche der beiden grossen Unterführungen ist heute die wichtigste Verbindung zwischen den Bahnperrons und dem Bahnhofplatz sowie zum Rosenberg. Im Rahmen der Realisierung der Bahnhofplatzneugestaltung werden die SBB diese Unterführung ausbauen. Sie wird heller, breiter und attraktiver mit Rolltreppen und Lift.
Soll diese Unterführung nun unter dem Bahnhofplatz hindurch Richtung Süden verlängert werden? Diese Frage wurde bei der Konzeption des Projekts ebenfalls diskutiert. Fachleute haben jedoch Bedenken. Eine ganze Reihe von Argumenten spricht gegen die Realisierung einer solchen Verlängerung.
- Eine Verlängerung der Unterführung würde das Projekt um 9 bis 11 Millionen Franken verteuern.
- Fussgängerinnen und Fussgänger sind umwegempfindlich, d.h. sie wählen den direktesten, möglichst hindernisfreien und zeitlich schnellsten Weg. Auf dem neuen Bahnhofplatz wird in der Platzmitte ein breiter Fussgängerkorridor freigehalten. Hier kann künftig bequem und sicher zirkuliert werden. Das Umsteigen zwischen den Bussen und zwischen Bahn und Bus wird einfach, direkt und übersichtlich oberirdisch, ohne Unterführung, möglich sein. Die an- und abfahrenden Busse werden kaum behindert.
- Die Verlängerung würde in gerader Linie zum „Kornhausplatz“ führen, der Aufgang wäre etwa beim heutigen VBSG-Pavillon. Eine unterirdische Passage hat nur einen Sinn, wenn eine grosse Zahl von Personen auch tatsächlich die entsprechende Verbindung benützt. Das ist aber nicht der Fall: Gemäss Analyse der Fussgängerströme wird kaum jemand unterirdisch von den Bahnperrons zum Kornhausplatz oder umgekehrt gehen (nur etwa 10% der Fussgängerbeziehungen). Die grossen Ströme bewegen sich direkt zu den Busperrons, zu Fuss in die Altstadt oder dann Richtung Hauptpost/Neumarkt (Gutenbergstrasse).
- Für die weitaus meisten Passanten bringt die Verlängerung also nichts. Sie wollen zum Neumarkt, zur Altstadt, zur Klubschule, ins Hauptpostgebäude oder zu den Appenzeller Bahnen – sie werden auch künftig die wenigen Meter oberirdisch über den Platz gehen.
- Keinen Sinn macht die Verlängerung für die Umsteigenden zwischen den Bus- oder Postautolinien. Sie werden weiterhin die direkte Route wählen und nicht die Unterführung benützen.
- Die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass Unterführungen an sich unbeliebt sind, unsicher machen und möglichst gemieden werden – anders ist es nur, wenn der unterirdische Durchgang zwingend benützt werden muss oder besonders attraktiv ist. Zwingend müsste in St.Gallen aber niemand eine Unterführung unter dem Bahnhofplatz benützen. Attraktiv wäre sie auch nicht, sie wäre zu klein und zu eng für eine eigentliche Einkaufspassage.
Auf dem St.Galler Bahnhofplatz wird künftig eine viel bessere, bequemere und sichere Fussgängerfläche zur Verfügung stehen. Es ist zu erwarten, dass die meisten Passantinnen und Passanten über den Platz gehen werden – eine teure Unterführung würde ungenutzt bleiben.
Elisabeth Beéry, Stadträtin









Der Stadtrat hat nach dem Entscheid umgehend gehandelt und einen Auftrag zur Konzeptentwicklung gegeben. Es sind Wege zu finden, um mit den bestehenden Institutionen den Bildungsstandort zu stärken. Das Konzept soll alle Möglichkeiten prüfen. Dabei ist auch das Zusammenwirken der verschiedenen Bibliotheken weiter zu klären. Bei der Verzichtsplanung ging es nicht um den Verzicht des Zusammenwirkens, sondern es war eine finanzielle Frage. Bei der Weiterbearbeitung ist auch die Schule miteinzubeziehen. Sie ist ein wichtiger Treiber der Wissensvermittlung. Bibliotheken sind Orte der Bildung. Es wäre nicht richtig, sie ausschliesslich der Kultur zuzuordnen. Der überwiegende Teil gehört zur Bildung. Die zukünftige Bearbeitung muss diesem Aspekt das nötige Gewicht verleihen. @PrechiCH hat uns über Twitter mitgeteilt: „Also vorwärts mit der Stadtbibliothek!“ Wir packen es an.
