Die städtische Politik hat die Quartiere entdeckt – auch in St.Gallen. Der Schweizerische Städteverband (SSV) widmete seine Jahrestagung 2011 dem Thema „Quartierentwicklung“ und es zeigte sich, dass viele Schweizer Städte daran sind, ihre Handlungsfelder im quartierpolitischen Bereich abzustecken.
Es ist natürlich nicht so, dass die Quartierpolitik in St.Gallen in ihrem ganzen Umfang neu entdeckt werden muss. Seit Jahr und Tag wirken Stadtparlament und Stadtrat in unzähligen Vorhaben und Projekten zugunsten einzelner Quartiere; dies sehr oft als Reaktion auf Initiativen aus den Quartieren selber. Jüngst hat das Parlament dem Ausbau der „Offenen Arbeit mit Kindern“ zugestimmt, die sich im Rahmen eines Pilotprojekts im Heiligkreuz bewährt hat und nun im Tschudiwies und im Engelwies eingeführt wird. Verschiedene Bauvorhaben, ich denke an die kontinuierliche Erneuerung der Kinderspielplätze, sind Teil der Quartierpolitik. Oder man denke an die Tätigkeit der Schule, deren Wirkung weit über die Schulhausmauern hinausreicht, oder an die Quartierpolizei, an das Jugendsekretariat oder an die Einführung neuer Buslinien. Quartierpolitische Aktivitäten gibt es in allen fünf Direktionen.
Ich bin dankbar, dass das Stadtparlament der Vorlage „Quartierentwicklung – ein neues Handlungsfeld für die Stadt St.Gallen?” zugestimmt und im Grundsatz auch die dafür notwendigen personellen Ressourcen, eine 80-Prozent-Stelle, gutgeheissen hat. Die Befürchtung, Quartiervereine und andere Gruppierungen, die vielfältige Arbeit in den Quartieren leisten, würden dadurch unnötig, ist unbegründet. Niemand wünscht sich eine Verwaltungsstelle, welche die Arbeit unzähliger Freiwilliger in den Quartieren ersetzt. Zusammen mit den Quartiervereinen und weiteren Akteuren in den Quartieren, seien es Vereine oder initiative Einzelpersonen, muss nun das „Handlungsfeld Quartierentwicklung“ mit Inhalt gefüllt werden. Quartierentwicklung – Entwicklung in den Quartieren – ist nämlich nur möglich, wenn viele Menschen mitmachen und wenn die Initiativen aus den Quartieren selber kommen.
Nino Cozzio, Stadtrat


1 Kommentar
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Carlo sagt:
11. Januar 2012 von 21:53 (UTC 2)
Während sich der Stadtrat innerhalb nur einer Legislaturperiode für die Entwicklung der Innenstadtquartiere durch mehrere Jahrhundertprojekte gleichzeitig verantwortlich fühlt, werden die “restlichen” Quartiere sich selbst überlassen.
Deren Bewohner haben aber weder eine politische Einflussmöglichkeit noch eine Vertretung in der Legislativen oder Exekutiven.
Freut mich jedes mal, wenn ich an einem “Unort” in unserem Quartier auf Powerdrinkalubüchsen, Chipsverpackungen oder Bierflaschen stosse.
Das zeigt mir, dass unser Quartier noch “lebt” und nicht alle wegen direktem Zugang zur Tiefgarage oder gutfrenquentierter Bushaltestelle nur aus unserem Wohnquartier in die Innenstadt flüchten.
Kein Wunder sind Speckgürtelgemeinden nicht fusionswillig, wenn sie sehen, dass dann ihr soziales Zusammenleben nur noch in der anonymen Innenstadt gefördert wird.
Quartierentwicklung findet am besten durch Förderung des Langsamverkehrs statt.
Das fördert die soziale Integration im selbst gewählten Wohnquartier mehr als es das Sozialamt mit Millionen zu leisten vermag.