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Dez
28
2011

Elisabeth Beéry

Neugestaltung Bahnhofplatz: Braucht es eine Verlängerung der Personenunterführung?

Die östliche der beiden grossen Unterführungen ist heute die wichtigste Verbindung zwischen den Bahnperrons und dem Bahnhofplatz sowie zum Rosenberg. Im Rahmen der Realisierung der  Bahnhofplatzneugestaltung werden die SBB diese Unterführung ausbauen. Sie wird heller, breiter und attraktiver mit Rolltreppen und Lift.

Soll diese Unterführung nun unter dem Bahnhofplatz hindurch Richtung Süden verlängert werden? Diese Frage wurde bei der Konzeption des Projekts ebenfalls diskutiert. Fachleute haben jedoch Bedenken. Eine ganze Reihe von Argumenten spricht gegen die Realisierung einer solchen Verlängerung.

  • Eine Verlängerung der Unterführung würde das Projekt um 9 bis 11 Millionen Franken verteuern.
  • Fussgängerinnen und Fussgänger sind umwegempfindlich, d.h. sie wählen den direktesten, möglichst hindernisfreien und zeitlich schnellsten Weg. Auf dem neuen Bahnhofplatz wird in der Platzmitte ein breiter Fussgängerkorridor freigehalten. Hier kann künftig bequem und sicher zirkuliert werden. Das Umsteigen zwischen den Bussen und zwischen Bahn und Bus wird einfach, direkt und übersichtlich oberirdisch, ohne Unterführung, möglich sein. Die an- und abfahrenden Busse werden kaum behindert.
  • Die Verlängerung würde in gerader Linie zum „Kornhausplatz“ führen, der Aufgang wäre etwa beim heutigen VBSG-Pavillon. Eine unterirdische Passage hat nur einen Sinn, wenn eine grosse Zahl von Personen auch tatsächlich die entsprechende Verbindung benützt. Das ist aber nicht der Fall: Gemäss Analyse der Fussgängerströme wird kaum jemand unterirdisch von den Bahnperrons zum Kornhausplatz oder umgekehrt gehen (nur etwa 10% der Fussgängerbeziehungen). Die grossen Ströme bewegen sich direkt zu den Busperrons, zu Fuss in die Altstadt oder dann Richtung Hauptpost/Neumarkt (Gutenbergstrasse).
  • Für die weitaus meisten Passanten bringt die Verlängerung also nichts. Sie wollen zum Neumarkt, zur Altstadt, zur Klubschule, ins Hauptpostgebäude oder zu den Appenzeller Bahnen – sie werden auch künftig die wenigen Meter oberirdisch über den Platz gehen.
  • Keinen Sinn macht die Verlängerung für die Umsteigenden zwischen den Bus- oder Postautolinien. Sie werden weiterhin die direkte Route wählen und nicht die Unterführung benützen.
  • Die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass Unterführungen an sich unbeliebt sind, unsicher machen und möglichst gemieden werden  – anders ist es nur, wenn der unterirdische Durchgang zwingend benützt werden muss oder besonders attraktiv ist. Zwingend müsste in St.Gallen aber niemand eine Unterführung unter dem Bahnhofplatz benützen. Attraktiv wäre sie auch nicht, sie wäre zu klein und zu eng für eine eigentliche Einkaufspassage.

Auf dem St.Galler Bahnhofplatz wird künftig eine viel bessere, bequemere und sichere Fussgängerfläche zur Verfügung stehen. Es ist zu erwarten, dass die meisten Passantinnen und Passanten über den Platz gehen werden – eine teure Unterführung würde ungenutzt bleiben.

Elisabeth Beéry, Stadträtin

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Elisabeth Beéry

Elisabeth Beéry

Direktion Bau und Planung

6 Kommentare

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  1. Roman Ferrer sagt:

    Bin mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes grundsätzlich zufrieden. Doch trotz diesen Gegen-Argumenten von Frau Beéry, würde ich eine Verlängerung der Unterführung bevorzugen. Eine Bedingung wäre jedoch, dass die Verlängerung nicht einfach einen Durchgang unter dem Bahnhofplatz darstellen würde, sondern dass eine attraktive Passage mit Läden und Restaurants am Beispiel der Brühltorpassage entstehen würde. Ob in Luzern, Chur, Basel, Zürich, Bern oder sogar Winterthur – in jeder dieser Städte gibt es mehr Dienstleistungen und Läden am Bahnhof als in St. Gallen. Für die Stadt/SBB müsste es doch eigentlich attraktiv sein, weitere Kommerzflächen zu schaffen; zumal die Gesetzgebung für Bahnhöfe verlängerte Öffnungszeiten (z.B. sonntags) erlaubt, was sich in höheren Mieteinnahmen wiederspiegeln würde. Ansonsten bin ich mit dem Projekt aber zufrieden.

  2. OMG sagt:

    Ich bin auch eher für eine Verlängerung dieser Passage. Jedoch würde diese nur Sinn machen wenn (wie bereits durch Roman erwähnt) diese durch Läden und Restaruants belebt werden würde.
    Eine leere Passage würde ich als unheimlich empfinden.

    Ich fände es toll wenn unser Bahnhof zu einer richtigen “Railcity” wie zb. in Winterthur werden würde.

    Zudem bin ich überzeugt davon, dass ein belebter Bahnhof (Einkaufen, Essen, Shopping etc..) schnell massiv an Attraktivität für kriminelle Gruppierungen verlieren würde.

  3. Tek Berhe sagt:

    Sehr geehrte Frau Beéry

    Die Unterführung, mit der richtigen Gestaltung, kann durchaus die richtige Lösung sein. Für eine gute Lösung sollten die Mehrkosten vertretbar sein. Sparen wir doch beim Kubus, der zu stark den Vorplatz dominiert.

    Die Bahnhöfe Bern und Winterthur sind für mich die schlechten Beispiele wie man es nicht machen soll. Man muss als Fussgänger extrem aufpassen um den Trams und Bussen auszuweichen. In Bern muss man sogar komplizierte Wege nehmen um an die richtige Wartekante zu gelangen.

    Eine gute ideal platzierte Unterführung wäre in Bern und Winterthur sinnvoller gewesen. Wir haben die Chance hier nachhaltig zu planen. Die Fussgänger passen sich den Gegebenheiten an.

    Mit freundlichen Grüssen

    Tek Berhe

  4. Ruedi L. sagt:

    Sehr geehrte Frau Beéry

    Zu Ihren Argumenten, die gegen eine Verlängerung der Unterführung sprechen, ist folgendes zu sagen:

    1. Eine verlängerte Unterführung würde nach Ihren Angaben (Pkt. 3) zum Kornhausplatz führen, wobei nur rund 10% der Fusgängerströme diesen Weg einschlagen. Wieso führt dann der 16 Meter breite Fussgängerkorridor (gemäss Information auf der Webseite der Stadt St.Gallen sowie den Plänen des Siegerprojekts) ebenfalls zum Kornhausplatz, wenn doch die meisten Personen zu den Perrons resp. Richtung Hauptpost/Neumarkt gehen wollen? Führt dies nicht dazu, dass diese Fussgänger/innen, welche gemäss Ihren Angaben “umwegempfindlich” sind, den Platz quer durch die Bushaltestellen überqueren bzw., falls sie doch nicht so “umwegempfindlich” sind, beim Kornhausplatz rechts abbiegen und noch vor dem Hotel Metropol durchmüssen?

    2. Ist es zwingend, dass eine allfällige Verlängerung zum Kornhausplatz führt? Könnte diese nicht auch Richtung Hauptpost/Neumarkt (Gutenbergstrasse) gezogen werden?

    3. Gemäss Ihrem Pkt. 2 werden “die an- und abfahrenden Busse [...] kaum behindert”. Wieso spricht dann der Jurybericht auf S. 24 davon, dass
    Mit der Konzentration der Fussgänger auf einer Achse à Niveau wird die Querung den Busverkehr erheblich beeinträchtigen. Besonders nach Ankunft stark belasteter Züge ist erfahrungsgemäss damit zu rechnen, dass während etwa einer Minute oder mehr keine Busfahrten erfolgen können.?

    4. Wie Sie mehrmals in Ihrer Argumentation betonen, soll der Fussgängerkorridor sicher sein. Der Jurybericht (S. 26) spricht jedoch von Konfliktpotential und Sicherheitsproblemen zwischen Bussen und Langsamverkehr.

    5. Wenn Ihr Argument in Pkt. 5 zu Ende gedacht wird, dann müsste auch die bestehende Unterführung geschlossen werden, weil diese auch nicht von den Umsteigenden zwischen Bus und Postauto benutzt wird.

    6. Ebenso kann nicht wie in Ihrem Pkt. 2 gesagt werden, dass ein Umsteigen von der Bahn auf den Bus ohne Unterführung möglich ist, weil die Perrons 2 bis 5 nur durch eine Unterführung verlassen werden können.

    7. Die Mehrkosten von CHF 9 bis 11 Millionen (Pkt. 1) müssten natürlich im Verhältnis zu den Gesamtkosten gesehen werden, wozu ich leider keine Angaben gefunden habe.

    8. Ich bin mit Ihrem letzten Punkt (Pkt. 6) einverstanden, dass Unterführungen unbeliebt sind. Sie liefern in Ihrem Statement jedoch gleich die passende Lösung, in dem diese attraktiv gemacht werden. Eine mögliche Attraktivitätssteigerung findet sich in den Antworten der beiden vorangehenden Kommentatoren.

    Vielen Dank für Ihre Beantwortung der aufgeworfenen Fragen.

    Mit besten Grüssen
    Ruedi L.

    1. Elisabeth Beéry
      Elisabeth Beéry sagt:

      Sehr geehrter Herr Ruedi L.

      Ich nehme gerne kurz zu Ihren Argumenten Stellung:

      - Die überwiegende Zahl der Fussgängerbeziehungen auf dem Bahnhofplatz erfolgt heute und künftig noch verstärkt – mit dem konzentrierten Busbahnhof für Busse und Postautos – innerhalb dieses Busbereiches, von Bus zu Bus. Dafür geht niemand in eine Unterführung, dafür liegt aber der neue oberirdische Fussgängerkorridor genau richtig – in der Mitte zwischen den Busperrons.

      - Nach Zugankünften steuern eine erhebliche Zahl der Personen vom Zug auf einen Bus. Für die würde eine Unterführung nur etwas bringen, wenn sie nicht vom Perron 1 kommen und wenn zu jeder Buskante auch wieder ein Aufgang angeboten würde. Das ist aber räumlich gar nicht möglich. Deshalb bringt eine verlängerte Unterführung auch für diese Passagiere nicht viel.

      - Aus den oben genannten Umständen werden auch mit einer verlängerten Unterführung eine grosse Zahl von Personen weiterhin oberirdisch über den Platz gehen, ein grosser Teil davon Buspassagiere. Die möglichen Konflikte Bus/Passanten sind also in jedem Fall zu lösen. Deshalb wird nach der Neugestaltung auch neu eine Temporeduktion von 20km/h gelten, wie in der Begegnungszone vorgeschrieben.

      - Die Gesamtkosten stehen noch nicht genau fest, die SBB sind noch am projektieren. Für die Stadt wird der Kostenanteil aber unter 50 Mio betragen. Ein zusätzlicher Aufwand von rund 10 Mio für eine verlängerte Unterführung mit zweifelhaftem Nutzen ist nicht vertretbar.

      Freundliche Grüsse
      Elisabeth Beéry, Stadträtin

  5. Carlo sagt:

    Ich bin froh, dass die Bauverwaltung die verlängerte Unterführung verworfen hat.

    Wenn ich in geschlossenen, mit dem gleichen Einkaufsfeeling unterirdischen Räumen einkaufen will, gehe ich ins Einkaufszentrum und nicht in die Innenstadt.

    Aber scheinbar ist die Hoffnung auf durchgehende Öffnungszeiten in Untergrundgeschäften grösser als das Zusammenleben in der selbst gewählten sozialen Umgebung.

    Wenn ich am Bahnhofplatz stehe und zB Richtung Neudorf will, gibt es unzählige Möglichkeiten. Nur sind diese an diversen Haltestellen verteilt, sodass ich die nächstmögliche und schnellste Verbindung garantiert verpasse.

    Wieso wird nicht nur EIN öV-Trassee durch den Bahnhofplatz geführt von der Kreuzung Bahnhofplatz/Kornhausstrasse bis zum Gaiserbahnhof.
    Auf der Südseite Richtung Westen und auf der anderen Trasseeseite Richtung Osten.
    Dann müssten Fussgänger nur eine Strasse überqueren.

    Zudem hätte es auch auf der Nordseite des Bahnhofs inkl.unnötigem 4-spurigem Unterem Graben noch genügend Platz für den öV-Innenstadt-Durchgangsverkehr, wenn nicht der MIV prioritär behandelt würde (mehr Mut zum Stau, wenn auch bis auf die Fehlplanung Stadtautobahn).

    Solange aber das ineffizienteste und daher unwirtschaftlichste Verkehrsmittel in der Stadt (privat alleine im 5-plätzigen Auto) immer noch oberste Priorität geniesst, als würde dieses mehr Steuereinnahmen generieren als der Stadt alleinig zu tragende Kosten verursachen, werden die Hunderte Millionen teuren Platzverschönerungen zu kaum einem Mehrwert (dh. sinkender Steuerbelastung und mehr Wohnortqualität) für Stadtbürger führen.

    Gemäss Föderalismus ist die Stadtverwaltung nur ihrem Wahlvolk gegenüber verantwortlich. Den Verkehr und anderen Belastungen, die Auswärtige bei uns verursachen (zB Südspange für die Bewältigung des Verkehrs aus dem Appenzellischen), braucht sie nicht zu kümmern, sondern das ist Kantons- oder zumindest Bundesaufgabe.

    Wir brauchen eine Stadt für die Stadtbevölkerung ausser die Agglo (Speckgürtelgemeinden – und Kantone) sind bereit dies mitzufinanzieren, weil auch sie einen Nutzen von einem starken Zentrum in ihrer Region hat (wie es kaum eines ähnlich Prominentes wie die Stadt St. Gallen in der Ostschweiz im Rest der Schweiz gibt).

    Ohne starke Stadt St. Gallen keine starke Ostschweiz auch wenn diese Stärke bis jetzt nur durch städtische Bewohner finanziert werden muss und durch diese hohe Belastung an Attraktivität verliert.

    Aber solange die Stadt St. Gallen nicht der billigste Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsort ist, ist nicht jeder ausgegebene Franken in der Stadt auch am effektivsten investiert.

  1. Neugestaltung Bahnhofplatz: Braucht es eine Verlängerung der Personenunterführung? | St. Gallenblog sagt:

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